Wie viel Elektrosmog entsteht wirklich?

Induktionsherd Strahlung

Herdplatte einschalten, Pfanne drauf und innert Sekunden ist die Hitze da – phänomenal, was Induktionsherde leisten. Und wie wird diese Wärmeleistung bei Induktionskochherden erzeugt? Sie entsteht durch mittelfrequente Magnetfelder. Diese magnetischen Felder direkt am Kochherd sind höher als die normale Netzfrequenz. Ist das nun schädlich für Ihre Gesundheit? Nicht zwingend.

Entscheidend sind vor allem folgende Punkte:

Das Grundprinzip

Erzeugt ein Induktionsherd Elektrosmog?

Ein Induktionsherd arbeitet mit magnetischen Wechselfeldern. Unter dem Kochfeld befindet sich eine Spule, die Energie direkt auf den Topfboden überträgt. Dadurch wird der Topf erhitzt – nicht die Kochplatte selbst. Dabei entstehen niederfrequente elektromagnetische Felder. Diese treten vor allem direkt über der Kochzone und am Rand des Kochfelds auf.

Wie ein Induktionsherd strahlt

Wie stark diese Felder sein dürfen, ist in Deutschland mit offiziellen Grenzwerten festgelegt.
Wie ein Induktionsherd funktioniert? Das erfahren Sie in diesem Video.

Das beeinflusst die Feldstärke

Wie stark dieses Feld tatsächlich ist und strahlt, hängt davon ab wie

Wichtig zu wissen

Ein Induktionsherd arbeitet anders

Keine hochfrequente Strahlung

Wichtig: Ein Induktionsherd arbeitet anders als WLAN oder Mobilfunk. Es handelt sich nicht um hochfrequente Funkstrahlung, sondern um niederfrequente magnetische Felder.

Niederfrequente Felder

Niederfrequente Felder, wie beim Induktionsherd, entstehen lokal am Gerät, nehmen mit dem Abstand schnell ab und liegen im Bereich einiger Kilohertz.

Hochfrequente Felder

Hochfrequente Felder, wie bei Mobilfunk und WLAN, liegen im Mega- bis Gigahertz-Bereich, breiten sich als Funkwellen über größere Entfernungen aus und dienen der Signal- und Datenübertragung.

Welchen Abstand sollte man zum Induktionsherd halten?

Gesundheitsbehörden empfehlen, beim Kochen nicht direkt an der Herdkante zu stehen, sondern einen gewissen Abstand zu halten. Denn: Magnetfelder nehmen mit der Entfernung rasch ab. Das Bundesamt für Strahlenschutz nennt dabei keine expliziten Werte. Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit rät in seinem Faktenblatt  zu Induktionskochherden zu einem Abstand von mindestens 15 cm zum Kochfeld; aus Vorsorgegründen können Sie in der Praxis problemlos 20–30 cm einplanen.

Der Rat von IBES: Treten Sie, wenn es köchelt, mindestens einen Schritt weg vom Herd.

Warum Abstand beim Induktionsherd entscheidend ist

Bei Messungen zeigt sich: Die höchsten Werte entstehen direkt an der Herdkante. Bereits mit zunehmendem Abstand sinken die Werte jedoch deutlich. Vereinfacht ausgedrückt: mit 30 cm Abstand liegt die Belastung noch bei ungefähr 25 %, mit einem Meter Abstand bei 5 %. Besonders relevant wird das bei langen Kochzeiten, in kleinen Küchen, oder wenn man sich direkt an das Kochfeld lehnt.

Quellen:

Was Fachstellen und Grenzwerte sagen

Ist ein Induktionsherd gesundheitsschädlich?

Ob elektromagnetische Felder gesundheitliche Auswirkungen haben können, wird seit Jahren intensiv und kontrovers wissenschaftlich untersucht. Behörden und Fachstellen arbeiten dabei mit Grenzwerten. Entscheidend ist: Nicht allein das Vorhandensein eines Feldes ist relevant, sondern die tatsächliche Belastung im Alltag. Vorsichtig sein sollten Personen mit Herzschrittmachern oder anderen aktiven Implantaten. Hier gelten teilweise spezielle Herstellerempfehlungen.

AEG-Hinweis

AEG schreibt z.B., alle Kochfelder erfüllten die Anforderungen für den deutschen Markt, verweist aber ausdrücklich darauf, dass es viele unterschiedliche Herzschrittmacher gibt und Betroffene immer ihren Arzt fragen sollen.

Mindestabstand

Wenn der Arzt keine Bedenken hat, empfiehlt AEG einen Mindestabstand von etwa 30 cm zum Induktionskochfeld während der Nutzung und verweist im Übrigen auf die Bedienungsanleitung des Geräts.

Ärztliche Bestätigung

Siemens/Bosch formuliert ähnlich: Trägerinnen und Träger aktiver medizinischer Implantate (Herzschrittmacher, Defibrillator) sollen sich die Nutzung eines Induktionskochfeldes von ihrer Ärztin/ihrem Arzt ausdrücklich bestätigen lassen.

Elektrosmog in Ihrer Küche messen lassen

Möchten Sie einfach kurz prüfen, wie stark die Felder in Ihrer eigenen Küche tatsächlich sind? Oder wünschen Sie eine professionelle Einordnung der gesamten Wohnsituation? Beides ist möglich.

Wichtig zu wissen

Medienbericht verdeutlicht die Diskussion

Gemessene Effekte

Die Debatte um mögliche Gesundheitsrisiken zeigt exemplarisch ein RTL-Beitrag von April 2019: Wissenschaftler maßen bei einer Lehrerin die Gehirnströme während der Nutzung ihres Induktionsherds und stellten nach zwei Minuten eine Stressaktivierung fest, die sich nach zehn Minuten auf tiefere Hirnschichten ausweitete. Die Magnetfeldwerte lagen mit über 4200 Nanotesla beim Zehnfachen des von der WHO genannten Schwellenwerts.

Wissenschaftliche Einordnung

Bei diesem TV-Beitrag handelt es sich um einen Einzelfall ohne wissenschaftliche Peer-Review-Studie. Das BfS warnt zwar und rät zum Abstand halten, betont aber gleichzeitig, dass es bisher keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege für gesundheitliche Risiken gibt. Die von RTL in Eigentregie durchgeführte Untersuchung verdeutlicht, warum offizielle Stellen und auch IBES vorsorgliche Verhaltensempfehlungen aussprechen.

Warum Abstand beim Induktionsherd entscheidend ist

Professor Dr. Wilfried Kühling ist im wissenschaftlichen Beirat vom Bund für Umwelt und Naturschutz, Deutschland. Er weist darauf hin, dass der unsachgemäße oder häufige Gebrauch von Induktionsherden das Risiko für kindliche Leukämien und Lymphome erhöhen könnte, weil die Magnetfelder besonders auf die blutbildenden Zellen einwirken. Die Anordnung der Kochplatten gefährdet dabei besonders den Kopfbereich kleiner Kinder und den Unterleib Erwachsener, was insbesondere Schwangere betreffen dürfte.

Warum Abstand beim Induktionsherd entscheidend ist

Kühling erklärt zudem, dass bei Erwachsenen vor dem Herd das Magnetfeld auf die blutbildenden Zellen des Knochenmarks und auf das Becken einwirkt. Unklar ist, ob dies das Risiko für Erkrankungen der blutbildenden Systeme erhöht. Ausschlaggebend sind dabei die Dauer und Häufigkeit des Aufenthalts am Herd.

Quellen:

So sehr strahlt ein Induktionsherd

Ein RTL Beitrag untersuchte gemeinsam mit Wissenschaftlern, wie sich die elektromagnetischen Felder eines Induktionsherds auf das Gehirn auswirken können.

Was wir bei Messungen oft antreffen

Wie Sie die Belastung am Induktionsherd reduzieren

Theoretische Grenzwerte sind das eine. Die Realität in der Küche oft etwas anderes. Bei Messungen vor Ort zeigen sich immer wieder typische Alltagssituationen, die zu unnötig hohen Magnetfeldbelastungen führen. Oft lässt sich schon mit kleinen Veränderungen im Alltag mehr Abstand zu den Quellen schaffen.

Zu kleine Töpfe

Passt der Topf nicht zur Kochzone, sind die Energie produzierenden Magnetspulen sind nicht voll durch die Pfanne abgedeckt. Die Energie wird nicht optimal übertragen und es entsteht gemäß unseren Messungen unnötige Streustrahlung. Deshalb: Wählen Sie passende Töpfe!

Direkte Körpernähe

Viele Menschen lehnen sich beim Kochen direkt an die Herdkante. Dadurch befindet sich der Körper im stärksten Feldbereich. Halten Sie deshalb einen Mindestabstand von 5 bis 10 cm zur Herdkante. Schwangere und Menschen mit Herzimplantaten sprechen bitte mit ihrem Arzt.

Lange Kochzeiten

Wer täglich lange kocht, hat naturgemäss eine höhere Expositionsdauer als Personen mit kurzer Nutzung. Nicht jede Speise benötigt maximale Leistung über lange Zeit. Und treten Sie vom Herd zurück, wenns köchelt.

Kleine Küchen

In kleinen Küchen oder engen Kochsituationen lässt sich Abstand oft schwer einhalten. Verwenden Sie nach Möglichkeit vor allem die hinteren Zonen und schalten Sie das Kochfeld erst ein, wenn der Topf draufsteht. Hier kann eine Messung sinnvoll sein.
Schon bei der Installation lohnt sich ein genauer Blick auf die elektromagnetischen Felder des Induktionsherds.

Induktionsherd-Strahlung

Häufige Fragen (FAQ)

Wenn Sie beim Kochen praktisch immer direkt an der Herdkante stehen, lohnt sich eine Messung. Das gilt besonders, wenn Sie lange kochen, oft mehrere Platten nutzen oder Kinder dicht daneben stehen. Eine Messung, wie hoch die Felder in Ihrer Küche wirklich sind und wo Sie nachjustieren können.
Nein, Sie greifen nicht sofort zum neuen Herd. Erst drehen Sie an den einfachen Stellschrauben: passende Töpfe, eher hintere Kochzonen, weniger Vollgas und mehr Abstand. Wenn die Werte im normalen Arbeitsabstand danach immer noch deutlich zu hoch liegen, können Sie über ein anderes Gerät nachdenken – am besten mit fachlicher Beratung.
Halten Sie beim Kochen Abstand zur Herdkante und nutzen Sie möglichst die hinteren Kochzonen; beugen Sie sich nicht direkt über die Kochplatte. Mit Herzschrittmacher oder Defi sprechen Sie unbedingt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Im normalen Küchenalltag können Sie die Magnetfelder eines Induktionsherds nicht einfach „abschirmen“. Dafür sind speziell berechnete, ferromagnetische Abschirmungen nötig, die Fachfirmen jeweils für den konkreten Fall auslegen müssen. Für genau solche Fälle lohnt sich eine Profi-Messung mit Empfehlungen von Experten.